abbr und die Barrierefreiheit

In Kommentaren zu meinen Artikel abbr für den IE tauchte die Frage auf, wie es Screenreader Nutzern dabei ergeht. Screenreader lesen eine Website vor. Auf der Suche nach Antworten auf diese Frage fand ich einen Artikel von Colin Lieberman bei A List Apart: The Accessibility Hat Trick: Getting Abbreviations Right. Er empfiehlt in das abbr Element einen Link zu einem Glossar zu setzen.

<abbr title="zum Beispiel ">
<a href="/glossar#zb"  class="abbr" title="zum Beispiel">z.B.:
</span></abbr>

Denn er versucht eine Lösung für alle zu finden:

The solution we are looking for is one that remains accessible to screen readers, communicates the availability of tool-tips to users no matter what browser they are using, and is accessible to users of Braille and text-only displays as well as users with motor disabilities, who should not be forced to mouse-over text to get tool-tips.Colin Lieberman

Frei übersetzt: Die Lösung nach der wer suchen soll sowohl für Screenreader Nutzer, für alle Browser, für Menschen, die eine Maus und die keine zur Navigation nutzen,sein.
Weiters erklärt er in diesem Artikel, dass die Lösung selbstverständlich den modernen Webstandard und allen Richtlinien der Barrierefreiheit entsprechen soll.
In der derzeit noch laufenden Diskussion traten Fragen auf, die ich auch hier zur Diskussion stelle:

  • 1. Wieso wird nicht wieder „acronym“ verwendet?
  • 2. Was macht man, wenn eine Abkürzung in einem Link auftaucht? Kein Link darf einen anderen enthalten.
  • 3. Ist es wirklich immer benutzerfreundlich auf ein Glossar zu verweisen?
  • 4. Wieso er davon ausgeht, dass JAWS (Ein Programm, das Websites vorliest) automatisch den title tag in einem span Element nicht vorliest. Dies kann sich doch jeder selber einstellen oder nicht ?
  • 5. Ist die Lösung auch für den einfachen Webmaster praktikabel?
  • 6. Es ist das Problem des Internet Explorers, dass er Webstandard nicht kann, nicht meines.

Unabhängig von der Diskussion wieso acronym veraltet ist. (Dies ist ein anderes Thema.) Ich gebe Colin Lieberman insofern recht: Internuser mit Textbrowsern und soweit ich las, Internuser, die Braille Zeilen(Blindenschrift) nutzen, haben auch nichts von diesem Element.
Internetuser mit motorischen Problemen haben ebenfalls Schwierigkeiten die Erklärung einer Abkürzung im acronym Element zu lesen. Somit wäre seine Lösung ein eigenes Glossar zu pflegen und per Link darauf zu verweisen korrekt.

Bloß frage ich mich: wozu dann überhaupt abbr verwenden? Erzeugt nur jede Menge Quellcode.
Die Vorlesegeräte für Blinde Internetuser bieten eine Unmenge an Einstellungsmöglichkeiten was vorgelesen wird und was wann nicht. Es ist einfach nicht vorhersagbar, ob jemand sich den title tag in einem Link, in einem span Element oder in irgend einem anderen Element vorlesen läßt oder nicht. Vorhersagbar ist nur, dass es die Auswahlmöglichkeiten gibt und dass man anhand etlicher Studien herausgefunden hat, dass erfahrene Vorlesegeräte Benutzer höchst individuelle Einstellungen bevorzugen.
Colin Lieberman behauptet, dass der title tag in einem span Element per Standard nicht vorgelesen wird.

Zur Frage 3, ob es wirklich immer benutzerfreundlich ist auf ein Glossar per Link zu verweisen.
Dazu fällt mir folgendes Szenario ein:

Internetuser, dessen Muttersprache nicht Deutsch ist, der noch nicht weiß, dass „zum Beispiel“ mit „z.Bsp.“ abgekürzt wird. Aber einen Browser benutzt, der ihm abbr richtig anzeigt und einen Link zu einem Glossar, wo er wieder nichts anderes liest. Er als unerfahrener Nutzer aber diesem Link gefolgt ist und sich jetzt ganz woanders befindet. Beim Nutzen der Zurücktaste des Browsers landet dieser Nutzer nicht wieder bei der letzten Textstelle, sondern muss sich diese suchen.

Dieses Szenario kann eintreten, genauso wie die Tatsache, dass ein Vorlesegerät Benutzer zweimal den title tag beim Workaround mit span für den Internet Explorer hören kann.
Auch erklärt Colin Lieberman nicht, ob ein Vorlesegerät den title tag beim Link innerhalb des abbr Elements vorliest oder nicht.

mts

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