Barrierefrei oder Suchmaschine

Einfach für Alle erhebt sich zur alleinigen Autorität in Sachen Zugänglichkeit und Barrierefreiheit:

Ganz Klein-Bloggersdorf diskutiert……
Bevor sich das Gerücht weiter festsetzt:
Barrierefreiheit ist nicht gleich Suchmaschinenoptimierung.
Ein besseres Ranking bei Google & Co. ist vielleicht ein nettes Abfallprodukt einer zugänglichen Seite, aber es ist weder Kern noch Ziel des ganzen. Bei der Barrierefreiheit geht es um Menschen, nicht um Maschinen.

Hier werden Äpfel und Birnen munter durcheinandergewirbelt und gegeneinander ausgespielt. Sowohl Äpfel wie Birnen sind Obst und der Mensch braucht Obst für seine Gesundheit – und zwar Obst in all seiner Vielfalt. Moralisierend eines hervorzuheben wird Menschen nicht gerecht.

Websites für Menschen mit Behinderungen zu gestalten kann nicht bedeuten Menschen, die verkaufen auszuschließen oder mies zu machen. Das ist einfach unlogisch.

Accessibility heißt auf Deutsch:Zugänglichkeit.
Dass sich „Zugänglichkeit“ als Webstandard erst dann verkaufen ließ, als man Accessibility mit Barrierefreiheit übersetzte war der Erfolg eines guten Marketings für eine gute Sache.

Das WorldWideWeb, Internet und Intranet vernetzt Menschen mit ihren Anliegen. Der eine mag Information finden, der andere bietet Information. Der eine mag kaufen, der andere bietet ein Produkt.

1. Daher ist barrierefreies WebDesign automatisch für alle Menschen,
2. und somit ganz automatisch Suchmaschinenoptimierung.

Barrieren im Internet gibt es ja nicht nur für Menschen mit offensichtlichen Behinderungen. Barrieren sind all diese Dinge, die einem hindern zu dem zu kommen, was man mag:

1. Käufer sucht Ware ==> findet sie nicht.
2. Anbieter sucht Käufer ==>wird nicht gefunden.
3. Käufer fand Ware ==>bekommt sie dennoch nicht. (ja dies schaffen manche Shopsysteme ;).
4. Anbieter fand Kunden ==>versteht ihn aber nicht.
5. Information wird gesucht ==>nicht gefunden.
6. Information wird gefunden ==> ist aber nicht benutzbar.

All diese Barrieren sind völlig unabhängig davon, ob ein Mensch mit einer Behinderung lebt oder nicht.

Ich entschied mich, barrierefreies WebDesign zu lernen und anzubieten, nicht weil ich ein Helfersydrom gegenüber Menschen mit Behinderungen habe, sondern weil ich für Menschen arbeiten mag.

Erst wenn es geschafft wurde, barrierefreies WebDesign aus der Ecke des „besonderen“, des moralisierend angehauchten: „Tu doch was für Menschen mit Behinderungen“ hervorzu holen, erst dann können wir sagen:

Barrierefreies WebDesign ist einfach für alle Menschen, weil so selbstverständlich wie das Atmen. Und deshalb ganz automatisch Suchmaschinenoptimierung.

Marketing Fachleute — wie Suchmaschinenoptimierer — in die „böse“ Ecke zu stellen und gegen das einzig wahre der Barrierefreiheit auszuspielen, wird der Sache nicht gerecht.

verschiedene Meinungen zum Thema:

In seinem Beitrag Google und der Weg zur Barrierefreiheit ging Martin Ladstätter der Frage nach, ob Google Barrierefreiheit massiv unterstützt, da die Suchmaschine barrierefreie Websites bevorzugt.
Er kam — absolut nicht überraschend — zum Ergebnis:

Die weltweit am meisten genutzte Suchmaschine Google bevorzugt bekanntlich barrierefreie Webseiten. Doch wer glaubt, dass Google Barrierefreiheit massiv unterstützt, der irrt sich leider.

Martin Ladstäter zitierte dabei das Google Unternehmensprofil, indem es heißt:

Das Ziel von Google besteht darin, die Informationen der Welt zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen.

Andy Hagans auf AlistApart in High Accessibility Is Effective Search Engine Optimization.

mts

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8 Kommentare zu “Barrierefrei oder Suchmaschine

  1. Pingback: Markup CSS, XHTML, Webstandards

  2. Jörg Petermann

    Es ist angenehm zu lesen, dass man beiden Themen sehr wohl sauber definiert und abgegrenzt mit Sonnen- und Schattenseiten beleuchten kann.

    Suchmaschinen & Barrierefreiheit – jeder Fortschritt ist ein Gewinn!

    Für mich gibt es auch noch Zwischentöne. Und ich störe mich ein wenig daran, nur EINE Seite zu sehen, auch wenn mir manche Facetten der anderen nicht gefallen mögen.

    Barrierefreiheit für alle – auch für Suchmaschinen

    Bedenken wir bitte in gleichem Maße, dass KEIN Mensch eine Webseite mit für ihn brauchbarer Information auch nur zu Gesicht bekäme, wenn sie nicht in den Suchergebnissen von Google & Co. auftauchen würde.

    Unsere Welt ist leider komplexer als wir manchmal meinen. :))

  3. Tomas Caspers

    Zum einen wird mir beim Lesen nicht ganz klar, wie du zu der Annahme im ersten Satz kommst. Zum anderen steht im angesprochenen Beitrag nichts von Zugänglichkeit, sondern ganz absichtlich nur der Begriff „Barrierefreiheit“. Und auch wenn es im Augenblick unheimlich trendy ist, diesen Begriff für alles und jedes zu kapern, so ist er doch per Bundesgesetz (BGG) eindeutig definiert und eingeschränkt. Dort steht nichts von Suchmaschinen, Mobiltelefonen oder Kühlschränken mit Internetanschluß. Die Benutzung eines ungeeigneten Mobiltelefons stellt keine Behinderung im Sinne des BGG dar.

  4. mts

    Hallo Tomas,
    ich komme deswegen zu dieser Schlussfolgerung, weil – so hoffe ich zumindest – ein WebDesigner nicht nur wegen eines Bundesgesetzblattes sein Können einsetzt, um barrierefreies WebDesign möglich zu machen. Weil es fernab jedes Gesetzes schlicht eine Frage des gesunden Menschenverstandes ist seine Seiten barrierefrei zu machen.

    Man mag mich deswegen als naiv betrachten, das halt ich gut und gerne aus.

    „Ganz Klein-Bloggersdorf diskutiert……“ dies ist ein mehr als direkter Angriff auf Menschen, die die Software eines Weblogs benutzen. So als ob Menschen, die sich dieser Software bedienen, unfähig wären.
    Abstempelung wegen der Benutzung von Weblogs und imselben Moment davon reden, dass es um Menschen nicht Maschinen geht.

    Auf Weblogs diskutieren auch Menschen und nicht die Software.

    Selber einen Internetauftritt haben, der mehr als genug Barrieren bietet – nicht im html,sondern im Miteinander diskutieren und dann feststellen man weiß alleine worum es bei Barrierefreiheit ginge ist zumindest paradox.

    Solange Barrierefreiheit nur als Gesetzeserfüllung verstanden wird, wird niemand der Sache an sich gerecht.
    Dies tät ich unendlich schade finden.

    lG

  5. Tomas Caspers

    Sorry, aber ich habe zunehmend Schwierigkeiten, deine Schlußfolgerungen nachzuvollziehen.

    Ad 1: du scheinst nicht allzuviel Erfahrung damit zu haben, wie die öffentliche Hand funktioniert. Wenn es dort keine Verordnung oder Dienstanweisung oder ähnliches zu einem Thema gibt, dann gibt es auch dieses Thema nicht. Im Bereich Barrierefreie Informationstechnik gibt es dazu die BITV, die das regelt und das ist auch gut so. Gesunder Menschenverstand hat damit nicht zu tun.

    Ad 2: die Formulierung „Ganz Klein-Bloggersdorf diskutiert……“ als direkten „Angriff auf Menschen“ zu sehen ist einfach nur komplett neben der Kappe – es handelt sich hierbei lediglich um die Beschreibung von etwas, das woanders als „Blogosphäre“ bezeichnet wird. Beleg: http://www.industrial-technology-and-witchcraft.de/index.php/ITW/15592/.
    Gib bitte den Begriff in eine Suchmaschine deiner Wahl ein und zeige mir eine Fundstelle, wo diese Formulierung in einem negativen Kontext benutzt wird.

    Ad 3: du hast immer noch nicht dargelegt wie du zu der folegnden Annahme kommst: „man weiß alleine worum es bei Barrierefreiheit ginge ist“

  6. mts

    Hallo Tomas,
    wo steht irgendwo in meinem obigen Beitrag etwas von der öffentlichen Hand?

    Wie diese funktioniert oder nicht, war niemals Thema des obigen Artikels.

    Etwas Blogosphäre zu benennen oder *Ganz klein Bloggersdorf* macht Unterschied.

    Ad3:
    Weil in diesem zitierten Beitrag Barrierefreiheit einfach zu eng gesehen wird.
    Wer Barrierefreiheit *nur* innerhalb der engen Grenzen der Verordnung definiert, hat meiner Meinung nicht die ganze Tragweite des Begriffes in sich.

    Reduzieren wir diese tolle Idee nicht, erweitern wir sie.

    Und wenn zig Webmaster ihre Website nur deswegen barrierefrei gestalten, weil sie zumindest verstanden haben, dass so ein Spider blind ist, dann stossen wir sie doch nicht extra vor den Kopf, indem festegestellt wird: Es geht doch um Menschen nicht um Maschinen.

    Tomas ich denke nämlich, dass es noch viel schlimmer ist: es geht ums Business – Sozialromantik vermute ich kaum.

    lG

  7. mts

    Nachgedanken:

    Suchmaschinenoptimierung ist vordergründig für den blinden Spider.

    De facto ist sie für Menschen, ohne suchmaschinenoptimierte Websites hätten irr viele Menschen keinen Job, kein Einkommen.

    Da Suchmaschinenoptimierung logischerweise Barrierefreiheit bedeutet, kann auch eine Verordnung diesen Begriff nicht einfach nur für sich okkupieren.

    lG

  8. Pingback: WIFI - Barrierefreies Webdesign/Web Accessibility » Michael Heugl