barrierefreie Information oder Don Quijote gegen Euronen
Unsortierte Gedanken in Briefform zum Buch 'die Befreiung der Information' von André Spiegel, erschienen im Verlag 'Matthes & Seitz' Berlin.
Grüß Dich André,
beim Kaffee, gemütlich Daheim, las ich die online Ausgabe Deines Buches². Unsortierte Gedanken blieben hängen, machen neugierig. Gedanken zu tauschen ist ein ureigener Trieb in uns Menschen behaupte ich. Womöglich ist dies auch der Urgedanke der freien Information. Du hast diesen Austausch mit Deinem Buch begonnen und ich geselle mich dazu.
Quergelesen habe ich Dein Buch erstmal. Der Begriff ‘querlesen’ ist vielen bereits unbekannt, daher nenne ich dies ab jetzt ‘gescannt’ habe ich den Text.
Mal hier, mal da an Worten, Begrifflichkeiten hängen geblieben. Oft verlockte mich ein Satz in ganz zu lesen, dann wiederum mittendrin abzubrechen, weil sich eigene Gedanken einstellten, die die Augen vom Text loseisten und irgendwohin blicken ließen.
Unsotierte Gedanken in ebenso unsortierter Reihenfolge.
Information als freies Gut
Die Idee, die allen diesen Projekten zugrunde liegt, nämlich, Information als ein freies Gut zu betrachten,Befreiung
“Frei” bedeutet in diesem Zusammenhang “zugänglich”, also barrierefrei. Ohne Hindernis zur Information zu kommen. “Frei” bedeutet nicht unbedingt gratis. “Freie Software” bedeutet ja nur, dass ich – verkürzt gesagt – den Funktionen unter dem Rock schauen kann.
“Frei von namentlicher Nennung” fällt mir ein, wenn ich an ein sogenanntes freies Wissenssammelwerk denke. Ich bin altmodisch, so wie ich Dich, André hier mit Namen anrede, mag ich auch sagen können: Die Information habe ich von Frau XY, jene von Herrn YZ.
Das Sammelwerk an sich hat für mich nur soviel Kompetenz wie seine Autoren Kompetenz haben. Diese herauszufinden bedarf detektivischer Höchstleistung. Von “frei zugänglich” spreche ich damit nicht mehr.
Habe ich keinen Autor zu einer Information, ist diese für mich ein Gerücht. Dorfstammtischqualität. Wobei ich gleich sagen mag, dass ich Dorfstammtische liebe, aber den Wahrheitsgehalt der dort postulierten Aussagen oftmals unter “gute Unterhaltung” ablege. Als wissenschaftliche Zitate würde ich dies niemals bezeichnen.
Derzeit ist es für mich eine Quelle, die viele andere Quellen vernichtet. Präsent ist wer gefunden wird. Gefunden wird diese eine Quelle, die zum Monopol sich mausert.
Dazu fällt mir die Schachpartie ein, die Du als Beispiel einmal bringst. Die Masse verlor, weil sie der Kompetenz nicht glaubte.
befreite Information – frei von Bildung
Befreite Information setzt immer damit ein, dass sie da ist, in die Welt gebracht wird, dass jemand den Anfang macht mit einem neuen Projekt, dessen Ergebnisse sofort sichtbar werden und dessen Vorteile gegenüber dem, was es bisher gab, offensichtlich sind.Befreiung
Um Vorteile zu erkennen, bedarf es der Bildung. Wenn die Angst um das täglich Brot um sich greift, wird “Bildung” zum Luxusgut. Daran ändert auch nichts die absolut unüberschaubare Menge an Information, die es bereits gibt.
All die sogenannten Social Networks sind doch nichts anderes als Informationsbroker. Wenn X sagt, dass es bei Y was Gutes gefunden hat, wird es schon stimmen, so kann man den Austausch der persönlichen Favoritenlisten ja auch definieren. Da aber Marketingfachleute bereits diese Social Networks durchwandern wird sich dies bald ändern.
Eine sehr bekannte Suchmaschine läßt mich nur mehr über zig Umwege wirklich weltweit surfen. Regionale Suche nennt sich dies und “erleichtert” mir doch so das Finden. “Befreite Information”, weil der Vorteil gegenüber dem was es vorher gab ist klar erkennbar. Dadurch, dass die Suchmaschine filtert, brauche ich es nicht mehr zu tun und was mir dabei entgeht, weiß ich ja auf den ersten Blick gar nicht.
Es wird in der Zukunft immer weniger Gelegenheiten für reine Erwerbsarbeit, und immer mehr für wirkliche Arbeit geben. Die Menschen werden Probleme nicht mehr darum lösen, weil sie damit ihren Lebensunterhalt verdienen müssten, sondern weil diese Probleme wichtig sind, drängend, oder auch faszinierend.Befreiung
Eine wunderbare Vorstellung.
Geht mein Kaffee im Kaffeehäferl zur Neige, stellt sich immer eine leicht depressive Verstimmtheit ein. So auch jetzt:
Die Botschaft höre ich wohl, doch allein mir fehlt der Glaube. Faust drängt sich unaufhaltsam in meine Gedanken.
Um Faust diesmal nicht gewinnen zu lassen, hole ich mir neuen Kaffee. Träume davon, dass sich Menschen freiwillig bilden, weil die Neugier sie packte und schicke Dir, André vorher den Brief.
Dir André einen schönen Tag.
mts
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Die Befreiung der Information, GNU, Linux und die Folgen, André Spiegel. Ein faszinierendes Buch, anregend, nachdenklich machend. Ich mag es riechen, fühlen, kommentieren und nachlesen können wo ich auch immer bin. Ich werde es mir kaufen.
Thematisch passende Kommentare zu diesem Brief sind gern gesehen.
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zu : barrierefreie Information oder Don Quijote gegen Euronen
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Show des freien Wissens- GNU und andere Freiheiten-in Berlin,
[ 04.09.06 um 17:38 ]
[...] Columbiadamm 13-21, Berlin Anmeldung und weitere Information hier: Wizards of OS Danke an Volker, der mich daran erinnerte, mts ...
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Ich möchte zum Thema dieses Buches noch einen , wie ich finde nicht ganz unwichtigen, Veranstaltungstip loswerden: Bitte mal schauen auf
http://www.wizards-of-os.org/
die Site zur Internationalen Konferenz “Wizard of OS4″ in Berlin. Insbesondere die “Show des freien Wissens” –
http://www.wizards-of-os.org/index.php?id=2819
dürfte für alle, die wissen oder wissen wollen, was GNU- oder CC-Lizenzen sind und wem und wofür sie nützlich sind, hoch interessant sein.
Gruß,
Volker