die schnelle Post

Ich hole mir die Fahrkarte für den Bus und neben mir steht eine alte Dame. Wache Augen, leicht gebückt. Rückenprobleme sind offensichtlich. Fragend sieht sie mich an:“Ob sie die richtige Karte gekauft hätte. Sie habe die Brille vergessen. Könnte ich ihr helfen.“ Ich erklärte und sie war erfreut, das richtige getan zu haben. Wir steigen in den Bus und eine unverbindliche Plauderei beginnt.

Zum Neffen fahre sie, weil sie mag auch endlich die „schnelle Post“ verwenden. Einen Beruf hat sie gelernt, also sei sie gescheit genug. Außerdem ist sie neugierig wie denn das funktioniert. Zu Weihnachten sind die Bilder der Tochter schon um 22.00 im Format 13×18 auf ihrem Tisch gelegen, weil eben besagter Neffe dies gemacht hat.

Mitten unterm Redefluss sieht sie mich an, stockt und meint:“Ach ich rede und rede. Kennen Sie überhaupt die „schnelle Post“ – „Email“ nennt das mein Neffe immer.

81 Jahre ist sie, dies verriet sie mir auch noch. Lernt emailen und nennt dies „schnelle Post“.

Immer mehr Senioren, von manchen „Silver Surfer“ liebevoll genannt, erobern das Netz. Mit ihrer Sprache, wo sie die Dinge so nennen wie sie es verstehen.
Absolut richtig benennen sie die Dinge. Aber meilenweit von Fachbegriffen entfernt.
Lernwillig und vor allem sehr lesefreudig. Außerdem sehr geduldig und nach „Hilfe“ suchend.

Eine Hilfeseite zu erstellen, wo wir Fachbegriffe wie „Home“, „Trackback“ oder jedes andere fremde Wort einfach erklären ist keine Hexerei.

Lernen wir von den „Silver Surfern“ die Einfachheit der Sprache.

Diese Frau nötigt mir Respekt ab.

Ach ja und – über „schnelle Post“ freue ich mich auch immer. 😉

mts

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4 Kommentare zu “die schnelle Post

  1. zeTo

    Erst mal: Der Arikel ist wirklich sehr schön geschrieben 🙂

    Aber zum Thema: Meine Oma hat sich inzwischen auch gegen meinen Opa durch gesetzt und meiner Schwester ihren alten Laptop abgekauft. Jetzt schreibt sie immer ganz fleißig ihr Tagebuch auf dem Notebook und hat auch schon eine Fortbildung gemacht.
    Fand ich auch sehr erstaunlich, wie interessiert und begeistert sie davon war.
    Jetzt muss ich nur noch meine anderen Großeltern davon überzeugen. Immerhin haben sie aber schon begeistert Solitär auf meinem PocketPC gespielt 🙂

    Wenn so eine Seite ins Leben gerufen würde, würde ich mich auf jeden Fall auch beteiligen.

  2. Gabi

    Hallo Monika,

    Meine Mutter hat zum 60. Geburtstag einen PC geschenkt bekommen – ein Alter, in dem man sonst eher Präsentkörbe bekommt :-))

    Das ist nun schon 15 Jahre her. Der PC lief damals unter DOS in einer Version kleiner als 4.01 und sie hatte „Works“ auf dem Rechner.

    Letztes Jahr hat Mama wieder mal einen aktuellen Rechner bekommen mit Windows XP und Internetzugang. 😉

    Viele Grüße,
    Gabi

  3. Pingback: wie die alten Menschen ein Weblog wahrnehmen

  4. Giorgio Martello

    Toll, aktuellen Studien zufolge erobern immer mehr ältere Menschen das Netz. Respekt!
    Begriffe wie Trackback haben auf einer Usability optimierten Seite ohnehin nichts zu suchen!