responsive Design oder Mobile First

responsive Design für  Smartphone, Kindle, Tablet, Netbook , Desktop
Smartphone, Kindle, Tablet, Netbook , Desktop

Responsive Design oder Mobile First. Damit stelle ich gleich eine These auf, die auch Grundlage dieses Artikels ist. Zu jeder These gibt es mindestens eine AntiThese und somit lade ich zur Diskussion ein. Quer durch alle Möglichkeiten, die die Technik uns bietet ;)

meine These:
Geeks, Freaks, Nerds, CSS Künstler sehen in den kleinen Endgeräten die Möglichkeit ihre technischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Sie sprechen von “Responsiv Design” und somit wurde dieser Begriff bekannt. Mobile First ist der Beginn der Auseinandersetzung mit der Zielgruppe, die zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Geräte mit gleichen Bedürfnissen, aber unterschiedlichen Rahmenbedingungen benutzt.

“Zahlt sich der Aufwand überhaupt schon aus?”; frage die Tage mich jemand und wollte gleichzeitig, dass die Webseite auch noch mit dem IE7 verdammt gut nutzbar ist. Weil bei den 2% IE7 Nutzern könnten ja auch Kunden sein. Eine löbliche Einstellung und daher recherchierte ich die Verkaufszahlen der mobilen Geräte, um ein kaufmännisches Argument für’s “Auszahlen” zu haben.

wir haben noch Zeit sprach der E-Commerce vor d. Pleite

der mobile Markt wächst enorm
der mobile Markt wächst enorm

²Die Zahlen für das Jahr 2012 sind noch Prognose. Doch unschwer ist zu erkennen, dass der Tablet Markt rasant wächst. Smartphone Nutzer haben sehr oft die allerneuesten Geräte, aber eben nur “oft”. D.h. es gibt mindestens 15Mill Smartphone Nutzer in De, rund 18% der Bevölkerung. Da habe ich absichtlich eine düstere Rechnerei angestellt, es könnten mehr sein.

verkauft in Mill 2010 2011 2012²
Smartphones 9,1 11,8 15,9
Tablets 0,8 2,1 2,7

guter Content braucht nur Text

nur Schrift und alles wird einfach
nur Schrift und alles wird einfach

OK dann nehmen wir doch die einfachste Lösung und alle sind glücklich. Dies wird derzeit sehr oft praktiziert. Ja wenn es da nicht diese doofe Ästhetik gäbe und tausende von PrintGrafikern, die zwar selbst das Tablet neben dem 28Zoll iMac haben, aber in ihrem Beruf ihre Geräte vergessen ;)

Ich mag Schlichtheit, aber diese hat nichts mit fehlendem Design zu tun. Langweilige Designs gaben den barrierefreien Webseiten den Gnadenstoß und werden sich auch auf die Dauer nicht mehr als hochmodernes responsive Design verkaufen lassen.

Wer fast 900€ für ein neues iPhone hinlegt, gibt sich nicht mit langweiligen Textwüsten ab. Davon bin ich überzeugt.

Ja, aber unterwegs. Da hat man eh keine Zeit was zu tun…

Der größte Irrtum der Generation, die nicht mit WWW aufgewachsen ist. Es geht nicht mehr um’s Zeit haben. Mit dem Internet verbunden zu sein ist für diese Generation genauso selbstverständlich wie das Atmen, das Lesen, das Schreiben. Es ist einfach da. Aber so wie jeder weiß, dass man in der Sauna schwerer Luft bekommt, wissen auch die Smartphone Nutzer, dass Bandbreite, Geschwindigkeit noch nicht ihr Freund ist.

Sie sind noch geduldig. Freuen sich über jeden kleinsten Geschwindigkeitszuwachs und über jede Webseite, die ihnen entgegenkommt.
Jeder vierte Smartphone Nutzer klickt absolut rigide jede Webseite weg, die nicht nutzbar ist.
Smartphone ist immer mit dabei
Smartphone ist immer mit dabei

Das Smartphone [iPhone/Android] ist immer mit dabei. Wer jetzt meint, ja wenn ich unterwegs bin, dann tu ich doch dies oder jenes gar nicht. Da kauf ich nirgendwo ein oder da vergleich ich doch keine Autoversicherung. Der irrt.
Ich konnte beobachten wie zwei Frauen neben mir beim Tanken, ihr Wellnesshotel buchten für das kommende WOE. Die Wartezeit bis der Tank voll war wurde dafür genutzt und sie reichte den beiden aus.

Wartezeiten auf den Bus, die Bahn, das Flugzeug, die Tankfüllung, stehen, sitzen in der U-Bahn, zahlen an der Kasse, Pausenzeiten. Wer ein Smartphone besitzt nutzt es einfach immer.

Nutzer von Smartphones lieben die lokale Suche von Google. Freuen sich über eine rasch sichtbare Tel.Nr genauso wie über GoogleMaps. Die Adresse eines Unternehmens ist sehr interessant,ebenso Öffnungszeiten.
Kindle, Tablet, Netbook, Smartphone beim Sitzen
Kindle, Tablet, Netbook, Smartphone beim Sitzen

Ab dem Moment wo es etwas zum Sitzen gibt, angefangen vom Sofa daheim, bis Bus, Bahn, Wartezeit auf den Flug, Parkbank greifen etliche zu den größeren Geräten wie Kindle,Tablet oder Netbook. Außer Studenten im Zug, die packen die gr. Laptops aus ;). Das Smartphone liegt daneben.

Das Tablet verführt auch zum online Kaufen, dabei geben Tablet Nutzer mehr Geld aus als die Nutzer anderer Geräte. Tablet Nutzer fühlen sich sowieso von der Welt verwöhnt, mancher ist sogar der Meinung er habe mit dem Gerät bessere Suchergebnisse bei Google.

Es werden mehr Tablets im BusinessBereich verkauft als im privaten, jedoch werden diese Geräte sehr oft auch den Mitarbeitern als Vollzeit Gerät zur Verfügung gestellt.

Desktop am Schreibtisch, Tablet und natürlich das Smartphone
in der Firma am Schreibtisch steht der PC

“Ja und der Desktop wann kommt der noch vor?” Zu einem sehr hohen Prozentsatz im Büro. Entweder in der Firma oder Daheim und natürlich bei den online Spielern. “Um diese Desktop PCs aber nutzen zu können, muss man extra hingehen.” Dies wird bereits als Einschränkung empfunden. Das Zitat ist übrigens von einem 80jährigen Tablet Tester.

TV sehen und sich sofort im WWW weitere Information zu holen passiert tagtäglich. Nicht nur in den fernen Staaten. Zig Suchanfragen zu einer seltenen Suchwort Kombination landeten die Tage auf einer meiner Webseiten. Genau zu einer bestimmten Stunde, dann ebbte der Spuk ab. ;) Es dauerte zwei Stunden bis ich herausfand, dass eine Kundeninformationssendung eines regionale TVProgrammes dies ausgelöst hatte.

was erwartet der Nutzer eines mobilen Endgerätes

zeig mir alles was du hast
zeig mir alles was du hast
  1. Dass er nichts versäumt.
  2. Dass ihm nichts vorenthalten wird, was er am Desktop PC auch hätte.
  3. Dass er den Inhalt sieht, den er grad mag und
  4. so schnell als irgend möglich, aber ohne Einschränkung.

Männer sind eher bereit nach APPs zu suchen, wenn die Webseite nicht gut nutzbar ist, Frauen tun dies seltener.

was mag der Nutzer mobiler Endgeräte definitiv nicht

das nicht mit mir
Link, um zur richtigen Webseite zu kommen
  1. Dass er Inhalte vorenthalten bekommt. Egal ob Bild oder Text.
  2. Dass er Kontaktmöglichkeiten suchen muss, weil er “die schnell grad braucht”.
  3. Dass er einen Link sieht, um zur “richtigen” Webseite kommen zu können.
Er fühlt sich durch diesen Link als Benutzer zweiter Klasse, als der Hinterbänkler, der der mit Almosen abgespeist wird. ==> und dabei benutzt er eines der modernsten und teuersten Geräte am Markt.

responsive Design oder Mobile First

Ein responsive Design zu erstellen ist eine technische Fähigkeit. Mobile First ist die Erkenntnis, dass “wir” zuerst lernen müssen was der jeweilige Nutzer grad für einen Inhalt mag, wenn er unterwegs ist, wenn er bequem wo sitzt, egal wielang. Was er am Desktop erledigt. Und dass “wir” ihm aber dennoch keinen Inhalt vorenthalten.

Content-Management als WebDesign Disziplin, um gute Inhalte dann in den Fokus zu rücken, wann sie gebraucht werden.

zB.: Ich kann davon ausgehen, dass niemand der gehend unterwegs ist, Tutorials auf der Texto 1:1 nachmacht. Aber ich kann nicht davon ausgehen, dass er sie unterwegs nicht lesen mag.
Ich weiß, dass wenn ich einen Frisör von unterwegs suche, ich die Öffnungszeiten und die Tel. Nr haben mag. Die Firmenphilosophie und dessen letzter NewsArtikel sind mir dabei absolutest egal.
Ich weiß, dass meine Tochter verdammt viel Geduld mit onlineShops hat. Spätestens bei den Formularen, die unbenutzbar werden bricht sie aber alles ab.

triviale Lösungen für hochkomplexe Probleme scheitern

Derzeit gibt es viele responsive Designs, zb auch für WP. Sie verfahren alle nach demselben Muster. Sie klappen die Navigation oben zu und schieben die Sidebar nach unten. In dieser stehen aber zu 90% die Kontaktdaten drin, weil es dafür Textwidgets gibt.

Somit gehen diese technisch absolut lupenreinen responsiv Designs völlig an dem vorbei was der Nutzer am Smartphone grad braucht.

Wenn ich im Kopf habe, was meine Zielgruppe wann wo mit welchem Gerät haben mag, dann beginne ich meiner Meinung nach “mobile First” zu denken und zu handeln. Ob ich mit dem Layout dann bei 1400X900 anfange ist zweitrangig, weil im Kopf die “Schlichtung” des Inhalts zielgruppen- und mediengerecht begonnen hat.

Daten, Fakten, Gedankenanstöße habe ich von

Zuerst die Zahlen Lieferanten: Blind Five Year Old. Die US Desktopsuche nimmt das erste Mal seit 7 Jahren ab,die Suchanfragen wandern in den mobilen Markt.US search declines. Golem Mobiler Markt in DE.
Surfen mit mobilen Endgeräten – so reagieren Nutzer, wenn die Seite noch nicht darauf optimiert ist:Usability Blog.

Die Artikel, die Nachdenken anregten:

Stephanie Rieger mit ihrem Artikel: Mobile Users don’t do that incl. der Kommentare.
JasonThings More Responsive Design please.
Sebastian Socha in seinem Artikel Desktop versus Tablet oder wie ticken die User.

Den letzten Anstoß gaben:
KLaus Schwarwächter hat einen hoch interessanter Artikel im XHTML Forum zum Thema angefangen. Wobei ich nicht WebDesigner rate den techn. Kram einfach zu überlesen und sich den dazwischen Inhalten zu widmen:Smartphone oder Link zu einer mobilen Ausgabe. Marc Haunschild hat seinen Focus auch auf der Bedienbarkeit und den Problemen der techn. Umsetzung:Mobile Webseiten.

mts

Ebenfalls informativ und lesenswert

8 Kommentare zu “responsive Design oder Mobile First

  1. Renate

    Bei Smartphones kann ich jetzt nicht mitreden, da ich noch ein altes Handy hab das mir reicht und surfen tu ich unterwegs nicht. Bei meinem Tablet sind mir die normalen Seiten am Liebsten. Ich mag es nicht, wenn ich über eine mobile Weiche umgeleitet werde.
    Optimieren würde ich eine Webseite nur für die nötigsten Browser und Geräte. Ansonsten kommt man ja nicht mehr hinterher mit dem anpassen.

  2. mts

    Hallo Renate,
    ich werde für gar keine Geräte optimieren, sondern immer wieder versuchen für meine Leser zu optimieren. Die Technik darf kein Grund mehr sein, irgendwen auszuschließen, der zu “mir” mag. Das ist ein Prozess und sicher nie fertig, das macht aber nichts.

  3. hansen

    Ein Unternehmer kommt meiner Meinung gar nicht mehr umhin, seine Seite auch für Smartphones zu optimieren.
    Bei Online-Shops ist eine eigene mobile Version fast schon Pflicht, mit automatischer Umleitung auf diese.
    Absolute Verlierer bei mobilen Geräten sind Seiten mit Klappmenüs.

    PS.
    MTS, das neue Design ist toll geworden.

  4. mts

    @hansen,
    danke für das nette Feedback :-)

    Erst heute las ich eine Studie aus Frankreich, dass 28Mill Franzosen mobil unterwegs sind, aber knapp 90% der online Händler sind nicht darauf vorbereitet. Sie verlieren deswegen 52 Tage Umsatz pro Jahr. Du hast damit einfach recht. ;-)

  5. Clemens P.

    Sehr schöner Artikel, der die Wichtigkeit für mobile Seiten anspricht. Man sollte, wenn man Seiten mit Content hat, ab sofort, jetzt, unverzüglich und direkt anfangen die Seite auch für mobile Endgeräte zu optimieren. So schwer ist das gar nicht. Meist reicht eine abgespeckte Seite mit Basisfunktionen oder noch besser, eine App für Bestandskunden. Bestandskunden lieben Apps :)

  6. mts

    abgespeckt, darf aber nicht weniger Inhalt bedeuten, weil das wollen die meisten Smartphone und iPad Nutzer einfach nicht. ;)
    Woher weißt du, dass Bestandskunden APPs lieben, worin gründet sich diese Deine Aussage?

    lg

  7. Silke

    Ca. 15 Prozent der Besucher kommen heute bereits über mobile Endgeräte (das habe ich gelesen, hab’ mir aber leider nicht die Quelle gemerkt). Daher gilt es unbedingt, das Layout der Website für den Nutzer anzupassen: Mobile First.
    Die Zeiten ändern sich – es kann daher nicht – wie Renate sagt – das Ziel sein, Webseiten nur für die nötigsten Browser und Geräte und deren Nutzer zu optimieren, weil man sonst nicht hinterher käme… Man muss hinterherkommen, sonst ist für einen selbst schnell der Zug abgefahren. Und das gerade auch im eCommerce, wo z.B. immer mehr Handwerker von unterwegs, auf der Baustelle direkt Dinge nachordern wollen…
    Sonnige Grüße,
    Silke

  8. Chio

    “Ca. 15 Prozent der Besucher kommen heute bereits über mobile Endgeräte…. Daher gilt es unbedingt, das Layout der Website für den Nutzer anzupassen: Mobile First.” [Silke]

    Da bleiben aber immer noch 85% der Besucher, die NICHT mit Schriftgröße 300px und elendsweit runterscrollen gequält werden wollen.
    Man sollte die Relationen im Auge behalten und sich genau ansehen, ob und wie man das Beste erreicht. Ein (recht bekannter) Schraubenhändler hat gerade mal 3% Besucher mit Handys, ein relativ schwer auffindbares Lokal im Wienerwald hat gut 40% – und die suchen alle den Plan. Ganz verschiedene Fälle.

    Natürlich gehört es zum Job des Webdesigners, hier den Kunden zu beraten und ihm klar zu sagen, was Sache ist, statt ihm die eigenen Vorlieben aufzudrücken. DAS unterscheidet einen guten von einem schlechten Webdesigner, nicht die Fähigkeit, alles an neuen Trends reinzustopfen, was geht.

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