Sprache und Verantwortung.

Ich beschäftige mich lange schon mit allen möglichen Barrieren, die uns unser Leben bietet. Zu oft lese ich, dass „barrierefreies“ Internet sich mit Menschen mit Behinderungen auseinandersetzt. So als ob das Internet für Menschen ohne eindeutige Behinderung keine Barrieren bietet.

Eine Hauptforderung des WAI ist, dass die Sprache so einfach wie möglich gehalten werde. Etliche bemühte Mitstreiter und Mitstreiterinnen für ein barrierefreies Internet greifen dies gerne und immer wieder auf.
Zugänglichkeit und Sprache oder Fachchinesich und verschiedene andere mehr.

Ich stimme zu, dass öffentliche Einrichtungen ihre Sprache ändern sollen und müssen. Wer seine Steuererklärung schon einmal selber gemacht hat, weiß wovon ich spreche. Doch dies ist kein internetspezifisches Problem.
Und solange das sogenannte „Beamtendeutsch“ in jeder Amtsstube gelebt wird, werden auch die Internetangebote der diversen kommunalen und anderen Verwaltungen keine Ausnahme machen.

Ich fand (leider) in keinem Amt – weder in Österreich noch in Deutschland – Hinweise auf den Verein Menschen mit Lernschwierigkeiten. Aber in den Weiten des Internets. Mag sein, dass die Werbung dafür einfach zuviel Geld kostet.

„Macht das Fernsehen unsere Kinder dumm und dick?“

War erst vor Kurzem wieder ein ganzseitiger Artikel in einer österreichischen Zeitung. Wenn die nächste PISA Studie veröffentlicht wird, ist das Ach und Weh wieder groß, wenn die Kinder des eigenen Landes nicht gut genug abgeschnitten haben.

Wenn die Richtlinien des WAI im Internet allumfassend umgesetzt werden, wenn wie vorgeschlagen nur mehr maximal 12 Wörter pro Satz verwendet werden sollen, wenn man für das Internet schreibt, dann wird es Übermorgen heißen:

Macht das Internet unsere Kinder dumm und dick!?

  1. Richtlinien für ein zugängliches Internet können nicht bedeuten, dass man Menschen, die sich in ihrer gewohnten Muttersprache austauschen wollen, ausgrenzt.
  2. Richtlinien für ein zugängliches Internet können nicht bedeuten, dass wissenschaftliche Auseinandersetzungen im Internet nicht mehr geführt werden dürfen, weil die Sprache der Wissenschaft ausgegrenzt wird.

Das Web oder Internet ist ein Medium, genauso wie „Buch“ ein Medium ist. Niemand verlangt, dass in Büchern Sätze nur mehr 12 Wörter haben dürfen, weil sie sonst Menschen ausschließen.

Einfache Sprache dort wo sie notwendig ist, nämlich bei amtlichen Formularen, bei Texten, die jeder verstehen muss.

Informieren wir die Nutzer und Nutzerinnen des Internets was sie auf dem jeweiligen Web Angebot erwartet. Dann liegt es in deren Verantwortung, ob sie dieses Angebot nutzen wollen oder nicht. Alles andere ist Entmündigung – und dies kann nicht Sinn und Ziel eines „Internets für Alle“ sein.

… mts

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