WebDesign im Jahr 2015 – Voten, Umfragen und die Armschleife am Abend

2015 steh ich noch im Beruf, der sich mittlerweile ein wenig geändert hat. 2015 das Jahr der Multi Media Dienste und der Armschleife für mein geliebtes Kaffeehaus.

WebDesign definiere ich gerne als “Design für das Medium Internet”. “Form follows function” – die Form ergibt sich aus der Funktion. Bei all den tausenden Webdesign Kollegen und Kolleginnen bin ich damit sicher eine Minderheit. Die meisten sehen in “WebDesign” – Grafikdesign für eine Homepage. Wobei es selten ausgebildete Grafiker sind, die dies für sich in Anspruch nehmen.

Angeregt durch zwei sehr konträre Visionen für dieses Jahr 2015 fragte ich mich wie ich denn das Jahr 2015 und mein Leben als WebDesignerin und Privatperson sehe.

Der Verbalterrorist Farlion sieht die Zukunft ähnlich wie Orwell und auf der anderen Seite Georg Johnson, der in einem Video dieses Jahr 2015 als ein wunderbares Jahr der finanziellen Freiheit vor sich hat und ein sehr vertrautes Bild der heilen Familie erzählt. Das Video hat hie und da kurze englische Sätze.

Was mir bei beiden Visionen des Jahres 2015 auffiel

Farliions Vision ist die eines Menschen, der zur “Nichtbesitzenden” Klasse gehört und jung ist.

Farlion beschönigt nicht. Totale Kontrolle durch einen wie auch immer funktionierenden Staat und fix eingebunden in einen Arbeitsalltag, der doch frei macht. Positiv formuliert, der Staat sorgt sich um seine Bewohner.

Georg Johnsons Vision beschreibt die unendlichen Möglichkeiten eines Menschen, der Geld hat und der ungefähr so alt wie ich sein muss. Für mich wirkt seine Vision vom Jahr 2015 wie die heile Welt aus den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts und ich frage mich wo dieser Mann bis heute gelebt hat. :zwinker:

Beide Visionen sind – so ich erkennen kann- von einem Mann geschrieben.

mein Alltag als WebDesignerin im Jahr 2015

Wer nicht “drin” ist im Internet ist nicht präsent.

Ich besitze bereits vier PCs. Voriges Jahr wurde ich 5 Monate aus vier Social Media Diensten ausgeschlossen, weil ich mich dort nicht mindestens zweimal am Tag gemeldet und gevotet habe. Grund für dieses Versäumnis war die Überlastung meiner Rechner. Dadurch verlor ich gut 40% meiner Stammkunden, diesen finanziellen Verlust kann ich mir nicht mehr leisten.

WebDesign im Social Media Leben

Meine Arbeit besteht aus 80% “VoteDienst” und für die Kunden bei den Social Media Diensten online zu sein. Websites gestalten oder so brauche ich nicht mehr, da jede Berufsgruppe sowieso ihre genormten Vorlagen haben und außerdem jeder User jede Homepage nach Vorgabe der Votes designen kann.

Diese Entwicklung ist ja logisch, wenn die Form der Funktion folgt und die Funktion die VoteUnterhaltung der Bevölkerung darstellt.

WebDesign 2015 – jeder Social Dienst hat seine Hardware

Allerdings läuft nicht jede Vorlage auf jeden Rechner. Gab es in den alten Tagen die 1. 2. oder gar dritte Welt erkennt man jetzt den Bildungs und finanziellen Reichtum an der Zugehörigkeit der diversen Social Diensten.

Zwei meiner PCs sind für die Erfordernisse des W3C und deren neues HTML5 ausgerichtet. Da Microsoft der Hauptsponsor des W3C wurde, dürfen auf diesen Rechnern nur mehr deren Produkte laufen, weil alle anderen funktionieren aufgrund fehlender Lizenzen nicht mehr.

Der dritte Rechner liefert mir die Möglichkeit einen weiteren Social Media Dienst mit Websites zu füttern. Dieser gehört den konservativen Semantic Puristen rund um die Gruppe BereaStreet.

Berea Street entwickelte sich zum Treffpunkt der Bildungsschicht, sowohl unter den WebDesignern wie unter den Usern. Wer sich weiterbilden mag, wer UNI Abschlüsse haben mag, wer sich den Luxus der Literatur oder gar klassischer Musik leisten kann, hat einen Zugang zum Social Media Dienst der “Denker”.

Ich kann mittlerweile drei verschiedene HTML Sprachen, den an der verwendeten HTML Sprache erkenne ich die Zugehörigkeit zu einem Media Dienst.

Cascading Style Sheets, also CSS, brauche ich nicht mehr, denn jeder Social Dienst hat seine Layouts für unterschiedliche Nutzergruppen.

PHP oder gar MySQL darf ich auch nicht mehr lernen, meine Bücher darüber habe ich mittlerweile in den Keller getan, damit ich bei der Kontrolle durch die WebCam der Aufsichtsbehörde nicht immer negativ auffalle. Als die nämlich erkannten, dass ich weiblich bin wurde mir klar gemacht, dass ich mit meiner Programmiererei die Arbeitsplätze der männlichen Kollegen minimiere und außerdem habe man in einer Umfrage festgestellt, dass 87% der User glauben, dass Frauen besser designen und Männer besser programmieren können. Ich solle endlich meine demokratische Gesinnung beweisen und mich dieser Umfrage beugen.

Auf meine – ich gebe es zu -naive Frage- wann denn wer wo gefragt wurde, also wo diese Umfrage nachlesbar sei, wurde mir drei Tage der Internetzugang gesperrt, damit ich in Ruhe mein Tun überdenken kann.

Ich tat dies. Folgsam wie ich bin. Nahm meine Armschleife mit den diversen Chips und ging ins Kaffeehaus. Als im Jahr 2007 der Staat und die europäischen Politiker die Sorge um die Gesundheit ihrer Bevölkerung endlich erkannte – man erinnere sich- Rauchverbot – AntiDickkampagnen, AntiAlkoKampagnen für Junge, entdeckte man die Armschleifen.

Jeder Kellner in einem Lokal kann an der Armschleife mein Alter, meinen BMI, meinen Zuckerhaushalt und meine gesamtbiologische Verfassung erkennen. Anhand dieser Daten darf ich dann mal einen Kaffee trinken oder nicht. Außerdem regelt dies auch die Ausgehzeiten und individuellen Sperrstunden.

Mittlerweile gehöre ich zur Altersgruppe der jungen Seniorinnen – bin ja knapp 58Jahre und so darf ich länger aufbleiben, weil ich nicht mehr soviel Schlaf benötige.

Ich warte sehnsüchtigst auf das Jahr 2017, weil ich dann endlich wieder hie und da ein Achterl Rotwein trinken darf, weil dies für alte Menschen gesund sei, sagt der Staat.

Meine Gesundheit ist dem Staat sowieso sehr wichtig. Rauchen wurde mir per Spritze abgewöhnt. Da ich aber damit eine ExRaucherin bin muss ich in die Gesundheitsvorsorge Versicherung einen dreimal höheren Beitrag als früher einzahlen, weil eine Umfrage ergab, dass ExRaucherinnen mehr volkswirtschaftlichen Schaden anrichten als Raucher und natürlich ewige Nichtraucher.

Ich seh dies ein, wurde demokratisch erzogen und Umfragen haben ja immer Recht. Beim Kaffeehaus angekommen stell ich mich in die Warteschlange.

Derzeit sind noch drei Kaffehäuser in der Stadt, die anderen sind mangels Besucher im Jahr 2008 dem ersten Jahr des Rauchverbots mangels Besucher in Konkurs gegangen, nachdem eine Umfrage ergeben hatte, dass bei “Kaffeehaus rauchfrei” mehr als 90% endlich ein Kaffeehaus besuchen wollten.

Die wollten ja auch alle, da sie aber HartzIV Empfänger waren, hatten die alle keinen Internetzugang mehr, konnten somit ihre Chips der Armschleifen nicht mehr erneuern bekamen von Google keine Jobvorschläge mehr und durften so gar nicht mehr ins Kaffeehaus gehen. Gott sei Dank werden diese aber eh immer weniger.

Kopfweh stellt sich ein, wie immer, wenn ich solche Gedanken habe und der eine Chip in der Armschleife piepst.
Kopfwehtabletten bekomm ich allerdings keine mehr, da ich ja 58Jahre bin und es sich in diesem Alter volkswirtschaftlich nicht mehr rechnet mich damit zu versorgen.

Aber ich kann mir ja abhelfen, habe ich Kopfweh vom Denken, stell ich mir das urgeile Gefühl vor, wenn ich wieder vorm Rechner sitze und für meine Kunden wo voten darf.

Der Klick auf den Button, das Hochspringen der DiggYiggWongs ist einfach jedes Mal wieder ein verdammt gutes Gefühl…

:?


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1Kommentare zu : WebDesign im Jahr 2015 – Voten, Umfragen und die Armschleife am Abend

1 Kommentar
  1. 1

    Uiui… du malst ja was aus.

    2015 ist in 6 Jahren.
    VOR 6 Jahren war: 2003

    Seit 2003 – was hat sich da groß getan? Der Aufstieg des “Web 2.0″. Dazwischen mal (wie lang ist das her? 1 Jahr?) “Second Life” und das wieder mal hyperventilierte Web3D, das schon seit 25 Jahren in 6 Jahren allgegenwärtig sein wird.

    Kurz davor war übrigens das Jahr 2000. Als Kind habe ich mir immer ausgemalt, wie es im Jahr 2000 sein wird – Raketenautos, Wolkenkratzer überall, schöne Menschen auf Mond und Mars.
    Kaum konnte ich rechnen, bin ich draufgekommen, dass ich im Jahr 2000 36 sein werde – älter als mein Vater (damals ;-)
    Mit 36 sitzt man nicht mehr schick in einem Raketenauto, und schön ist man auch nicht mehr, schon gar nicht auf dem Mond – weil: alt! Älter als mein alter Vater ;-)
    Und prompt: Es gab keine Raketenautos im Jahr 2000. Wolkenkratzer schon ein paar, aber nicht in Altheim. Nichtmal in Wien. Und die schönen Menschen? Naja…

    Dafür gabs das Internet. Super! Hätte ich mir nie ausgemalt.

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